die deutsche Sprache fegen, No. 1

Robert Brandom, der Autor von „Making it explicit“, in dem er eine  philosophische Grundlegung der Wissenschaftstheorie entwirft, schreibt vom „grooming of our concepts“, dem „Fegen unserer Begriffe“. Damit meint er zum Beispiel, dass wir Widersprüche, die wir und unsere Sprache mit unseren Aussagen erzeugen, mit der Zeit aus unserer Sprachpraxis entfernen.

Ich habe noch vor einigen Jahren gedacht, dass das eine Sache der Universität und der Wissenschaft ist, aber ich glaube, im sonstigen sozialen Leben ist das auch wichtig.

Jetzt fange ich in diesem Beitrag damit an, Widersprüche oder Uneindeutiges zu fegen.

Als Kinder haben wir oft zwei Worte benutzt, wenn wir  sagen wollten, dass etwas in unseren Besitz übergegangen ist: „bekommen“ und „kriegen“. In einer Situation, in der jemand uns etwas schenken würde, ist es nach meiner Theorie der Konnotationen und der verschiedenen Sprachebenen, nicht gut „Krieg ich das?“ zu sagen, weil „kriegen“ die Assoziation „Krieg“ erzeugt, also eine gewaltsame Aneignung gegen den Willen der Anderen, die vorher im Besitz von etwas (Territorien, Gold, und Freiheit) war.

Ein Gedanke zu „die deutsche Sprache fegen, No. 1

  1. Mir sind Zweifel gekommen, ob ich richtig gefegt habe. Also habe ich nachgeschaut, wie die Wortbedeutungen von Krieg und kriegen sich entwickelt haben. Mein etymologisches Wörterbuch sagt mir unter dem Eintrag „Krieg“: kriegen – mittelhochdeutsch (mhd.) krigen – bekommen, ringen, streben, sich anstrengen, trachten – also ist der moderne Gebrauch von Krieg nur abgeleitet, und das Verb kriegen ist früher in einer viel größeren Vielfalt verwendet worden, als wir es heute verwenden. Ich wurde im Studium von Kommilitonen, die sich sehr viel auf ihre Coolness eingebildet haben, als Streber gesehen, weil ich immer die Hausaufgabentexte gelesen und mich in den Seminaren gemeldet habe. Im 14. Jahrhundert hätte ich ihnen wohl geantwortet: „Ich will Wisheit krigen.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.