Was ist der Gegenbegriff zu Altruismus?

Egozentrik steht in wesentlich schrofferem Gegensatz zum Altruismus als Egoismus. Denn um egoistisch handeln zu können, benötige ich eine Vorstellung davon, was meine Interessen in einer sozialen Situation sind, und dazu brauche ich auch ein Konzept davon, was die anderen wollen und wie sie daraus folgend zu meinen Interessen stehen. Egoisten haben also notwendigerweise eine Vorstellung von Interessenkonstellationen und sowohl ihrer Position darin, als auch der Position der anderen.

Egozentrik heißt demgegenüber, gar kein Bewusstsein davon zu haben, dass andere überhaupt Interessen und Wünsche haben, und kein Konzept davon, wie sie zu meinen Interessen stehen. Dem Egozentriker fehlt also schon die Reflexivität, die er braucht, um auf die Interessen anderer Rücksicht nehmen zu können. Der Egoist hat diese Reflexivität, er entscheidet sich nur dazu, seine Interessen an erste Stelle zu setzen. Das heißt aber nicht, dass er in einem Lernprozess im Verlaufe der Aushandlungsprozesse, die er zwecks Verwirklichung der eigenen Interessen anstrengt, nicht zu einer Form von Altruismus kommen kann. Die moralische Verdammung egoistischer Handlungsweisen folgt allein aus der Empörung über die bewusste Wahl, die der Priorisierung meiner eigenen Interessen zugrunde liegt. Aber diese bewusste Wahl ist ein notwendiger Zwischenschritt zu einem reflektierten Altruismus. Aus der Egozentrik aber führt keine ihr inhärente innere Logik zu einem solchen reflektierten Altruismus.

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