die deutsche Sprache fegen, No. 1

Robert Brandom, der Autor von „Making it explicit“, in dem er eine  philosophische Grundlegung der Wissenschaftstheorie entwirft, schreibt vom „grooming of our concepts“, dem „Fegen unserer Begriffe“. Damit meint er zum Beispiel, dass wir Widersprüche, die wir und unsere Sprache mit unseren Aussagen erzeugen, mit der Zeit aus unserer Sprachpraxis entfernen.

Ich habe noch vor einigen Jahren gedacht, dass das eine Sache der Universität und der Wissenschaft ist, aber ich glaube, im sonstigen sozialen Leben ist das auch wichtig.

Jetzt fange ich in diesem Beitrag damit an, Widersprüche oder Uneindeutiges zu fegen.

Als Kinder haben wir oft zwei Worte benutzt, wenn wir  sagen wollten, dass etwas in unseren Besitz übergegangen ist: „bekommen“ und „kriegen“. In einer Situation, in der jemand uns etwas schenken würde, ist es nach meiner Theorie der Konnotationen und der verschiedenen Sprachebenen, nicht gut „Krieg ich das?“ zu sagen, weil „kriegen“ die Assoziation „Krieg“ erzeugt, also eine gewaltsame Aneignung gegen den Willen der Anderen, die vorher im Besitz von etwas (Territorien, Gold, und Freiheit) war.

Stolz und Selbstwertgefühl

Axel Honneth beschreibt „Selbstwertgefühl“ als das „Selbstverhältnis“, das aus der Erfahrung von Solidarität als einer Anerkennungsform von dreien (Liebe und Respekt sind die anderen beiden, ihnen korrespondieren Selbstvertrauen und Selbstachtung) entsteht.

Jetzt frage ich mich, wie das in Beziehung zu der Emotion Stolz steht. Aus meiner Rezeption buddhistischer Philosophie heraus dachte ich jahrelang, „Stolz wurzelt im Ego.“, und dachte also, wenn ich stolz bin, ist das irgendwie schlecht oder sogar böse, eogoistisch eben. Die Buddhisten glauben außerdem, wie Arthur Schopenhauer, dass unser jeweiliges Ego über uns den „Schleier des Nichtwissens“ hängt und wir alle möglichen Täuschungen glauben, wenn wir egoistisch sind.

Gestern wurde mir dann klar, dass Stolz aber außerdem manchmal einfach gefährlich ist. Ich zum Beispiel überschätze mich aus Stolz oft und wundere mich dann, dass ich leide und wütend und traurig werde.

Aber das Wort Stolz kann sowohl als sprachliches Zeichen für die Emotion verwendet, die ich fühle, wenn ich etwas sehr Schwieriges geschafft habe, und mich selbst gut finde, also im Sinne von Selbstwertgefühl, und es kann auch als ein Wort für Selbstachtung gebraucht werden. Sich den Stolz zu verbieten ist deshalb destruktiv. „Stolz“ ist sozusagen ein unentfaltetes Wort, und eingefaltet darin sind Bedeutungsfacetten der zwei Begriffe „Selbstachtung“ und „Selbstwertgefühl“, die Honneth dann ausdifferenziert hat.

Bei Liebe und Selbstvertrauen ist es aber oft anders, ich liebe Menschen oft wegen und auch oft trotz ihres Scheiterns und ihrer Schwächen. Manchmal aber auch, wenn sie stolz sind und sich nichts befehlen lassen. Und ich werde auch oft wegen oder trotz meines Scheiterns geliebt.

Wolf Biermann, die Bonzen und ich

Ich höre gerade die „Große Ermutigung“ von Wolf Biermann auf Deutschlandradio Kultur.

Der Sänger erzählte vorher von seiner „Ausbürgerung“ aus der DDR, er hatte sich mit den „kommunistischen“ Bonzen angelegt und durfte aus der BRD nicht mehr zurück reisen.

Was für ein Euphemismus ist das Wort „Ausbürgerung“. Das ist eine schreckliche Sprache.

Hegel, die Geschichte und Bob Dylan

Ich habe heute fahrradfahrend eine Idee für einen Ansatz einer Geschichtsphilosophie. Ich hatte folgende Idee: Ich radelte so vor mich hin und dachte darüber nach, dass unsere Sprache und unser Sprechen meistens aufgrund der Mehrdeutigkeit der Worte, die wir verwenden, ganz viele unterschiedliche Bedeutungsebenen gleichzeitig haben, weil wir assoziieren können, sobald wir ein Wort in einer Bedeutung verwenden, und die anderen Bedeutungen schwingen mit. In der Linguistik nennen sie das Mitschwingen dann Konnotation (im Gegensatz zur Denotation, die die im Kontext funktionale Bedeutung, zum Beispiel der gemeinte Bezug auf einen Gegenstand, ist). Wenn ich jetzt also zu einem Freund sage: „Ich treffe xy bald auch persönlich.“ Dann kann ich mit dem Wort „persönlich“ einfach meinen, ich kommunizierte bisher nur per Email mit dem Menschen, und jetzt treffe ich ihn so richtig mit körperlicher Sinneswahrnehmung, sehe xy in die Augen, höre seine Stimme, sehe, ob er gestresst aussieht oder nicht usw.

Aber es gibt noch andere Bedeutungsebenen des Wortes „persönlich“: Wir können damit konnotativ meinen, dass es eine große Ehre ist, mit der Person xy sich überhaupt treffen zu dürfen, weil Person xy eigentlich schrecklich wenig Zeit hat, weil sie so wichtig ist. Blöderweise ist unsere Sprache aber so uneindeutig, dass damit auch ganz genauso gemeint sein kann: Meine Person ist so wichtig und ich habe so wenig Zeit, dass ich dem Menschen xy großmütig meine Zeit schenke für ein „persönliches Gespräch“.

So. ich könnte jetzt noch mehr Bedeutungsebenen des Wortes „persönlich“ aufzählen, aber ich will auf einen ganz einfachen Punkt hinaus, und deshalb lasse ich das mal.

Mein Punkt ist der: Vielleicht entwickelt sich in der Geschichte der Menschheit (und das sage ich trotz Proudhon) die Bedeutungskomplexität der Sprache immer weiter, und was am Anfang wie eine Knospe war, ein Wort wie „persönlich“, das entwickelt im Laufe der Geschichte der Kommunikation immer mehr Nuancen, Teilbedeutungen und unsere Sprache bekommt viele Ebenen gleichzeitig. Das kann ganz schön überfordern, weil wir dauernd interpretieren müssen, welche Ebenen jetzt wichtig sind und welche nicht, gerade wenn Leute diese Mehrebenen-Struktur gemein ausnutzen.

Deshalb genießen wir Poesie so sehr, weil sie uns entlastet von dem Zwang, immer genau zu wissen, welche Bedeutung jetzt gemeint ist. Hier ein kleines Beispiel:

„Outside in the cold distance

a wildcat did growl

two riders were approaching

and the wind began to howl.“

Mein Alltag im Spätkapitalismus, die SUVs und eine gute Freundin

Ich hab mir von einer Freundin eine Taktik abgeschaut, um mit meiner Wut klarzukommen, und sie aber leicht variiert, und zwar mache ich folgendes: Wenn ich mal wieder mit meinem Fahrrad in der Stadt fahre, und total genervt bin, weil alle Leute sich komisch verhalten, oder einfach, weil ich mal wieder Bauchschmerzen, Rückenschmerzen oder Seelenschmerzen habe, dann denke ich „Scheiß Autofahrergesellschaft!“ Manchmal sage ich es auch halblaut vor mich hin, und wenn die Karren total laut sind, sage ich es auch laut, in der Hoffnung, dass niemand denkt, dass ich bescheuert bin. Egal.

Zu der Autofahrerei habe ich einen Song angefangen, dessen Fragment ich hier mal präsentiere:

We kill the trees and the feelings

it’s hard to feel while we drive in our cars

loving feels like stealing

and we pour our freedom from our jars.

 

Say No, this ain’t living

Say No, this ain’t life

Say I’ll never give in

Say No this ain’t life

Also: An allem ist die Scheiß Autofahrergesellschaft schuld! Ozonloch, Kriege, Bauchmerzen, Gestank, nervöse Leute, Hass in den Köpfen, alles die Scheiß Autofahrerei! Pfui! Und ich mit meinem Fahrrad mitten drin. Da soll mal einer klarkommen.

Das einzig blöde ist, dass ich jetzt gestern und vorgestern insgesamt etwa 300 km mit dem Auto meiner Eltern gefahren bin, davon 140 Kilometer einfach nur, weil ich abends in meinen Lieblingstanzclub in Marburg gehen wollte, und am nächsten Tag in Köln beim 1. Geburtstag meiner kleinen Nichte sein wollte, und weil unsere Familie in fünf Städten verteilt wohnt, könnten wir uns ohne Auto kaum treffen. was mache ich nun mit meinem Hassmantra? Drauf verzichten kann ich nicht, weil ich halt oft Hass und Wut fühle und es auch nicht richtig klappt, mir einzureden, das schon alles irgendwie in Ordnung ist, so wie es ist.

Am schlimmsten sind diese Privatpanzer, die sie „SUV“ nennen. Das ist das kapitalistische Symbol im Moment. Die SUV Besitzer können 100000 Tacken für so einen Scheiß Privatpanzer ausgeben, und ich kann mir als verbeamteter Lehrer mit halber Stelle noch nicht mal ein gebrauchtes Mountainbike kaufen, seit mein altes geklaut worden ist! OK, ich hab es auch nicht abgeschlossen, sonst wäre es mir nicht geklaut worden, aber ein bisschen Glaube an die moralische Integrität meiner Mitmenschen ist mir trotz der etwa 15 Räder, die mir in meinem Leben schon geklaut worden sind, abgeschlossene und unabgeschlossene,halt trotzdem geblieben.

Wenn es bei mir als verbeamtetem Lehrer schon finanziell so knapp ist, wie soll es erst einer alleinerziehenden Hartz-IV-Bezieherin gehen? Die würde sicher mit einem Auto wesentlich besser ihren Alltag bewältigen können, kann sich aber keins leisten, weil die SUV Besitzer einen Wagen im Wert von 10 normalen Wägen besitzen und damit die Straßen unsicher machen.

Wenn ich so drüber nachdenke, dann fällt mir auf, dass ein Auto nicht immer was schlechtes ist. Ich war echt glücklich beim Tanzen und auf dem Geburtstag meiner Nichte, und verdammt nochmal, ein Alltag als Alleinerziehende ist hart genug, wenn ein Auto gebraucht wird, dann her damit! Vielleicht können wir eine Steuer auf SUVs erheben, die sich so richtig gewaschen hat, und das zu den Hartz-IV Geldern umverteilen. So lange, wie die Politiker*innen das nicht gebacken kriege, sage ich weiter leise und auch laut:

Scheiß Kapitalismus!

 

Bandscheibenvorfallsphilosophie

Wozu so ein Bandscheibenvorfall doch gut sein kann: Ich lag eben auf der Seite und habe meine Übung gemacht. Dabei wurde mir etwas sehr klar.

Und zwar habe ich die Augen geschlossen und gefühlt, was während der Übung in meinem Körper passierte. Die Fachleute haben mir mein Problem so erklärt: Ein spezieller Nerv wird von einer deformierten Bandscheibe in meinem Rückrat eingeklemmt, dort, wo der Nerv aus der Wirbelsäule austritt. Deshalb hatte ich schreckliche Schmerzen bis in den Fuß herunter. Jetzt tut es etwas weniger weh. Die Übung besteht darin, den Fuß anzuziehen und dabei gleichzeitig den Kopf in den Nacken zu legen, dann den Fuß langsam zu strecken und den Kopf auf die Brust zu legen.

Während ich das tat, spürte ich, wie es über meine ganze Seite von der Hüfte bis in den Fuß herunter zog und ein bisschen brannte.

So wie mir das erklärt wurde, kommt das Brennen aber nicht von der Hüfte oder dem Bein, sondern entsteht dadurch, dass der Nerv an seiner Wurzel, wo er aus der Wirbelsäule austritt, gedrückt und dabei gereizt wird.

Ich hab das dann gespürt und dachte: Wie seltsam, dass mein Nerv gar nicht signaliisieren kann, wo genau es ihn schmerzt, der Schmerz wo ganz anders herzukommen scheint, als er wirklich kommt, und wieso mein Körper mir die Illusion gibt, dass es wo schmerzt, dabei das Problem aber an einer anderen Stelle liegt.

Ich habe mal gelesen, dass manchmal Leute am Gehirn operiert werden, während sie wachs sind, das geht, weil das Gehirn selbst keine Schmerzrezeptoren hat und man also nichts spürt, während einem einer in der Großhierrinde rumschnipselt. Nur die Kopfhaut und die Hirnhaut sind wahrscheinlich sensibel, der Rest dadrunter ist anscheinend einfach sehr sehr taub.

Dasselbe trifft offensichtlich auch auf meinen Nerv zu, denn da, wor er eingeklemmt ist, spüre ich gar nichts.

Ich hab dann überlegt, warum das so ist. Es wär doch viel besser, wenn jeder Nerv den anderen Nerven signalisieren könnte: An der Stelle tuts mir weh. Dann kann der Gesamtorganismus dafür eine Lösung finden, statt im Nebel zu stochern, was denn nun eigentlich schif läuft. Die Natur ist jetzt nicht so eine schlechte Baumeisterin, warum macht sie es nicht so?

Dann hab ich eine Hypothese dazu entdeckt: Wenn mein Nerv zusätzlich zu den Schmerzinformationen aus dem großen Zeh (wenn ich mir den zum Beispiel stoßen würde) jetzt auch noch ans restilche Nervensystem die Info schicken würde, dass es ihm auch auf der Informationsbahn weh tut, dann könnte das zu folgendem Problem führen: Wenn der Reiz groß genug ist, den der Nerv weiterleitet (also bei starken Schmerzen), könnte der Reiz auf der Bahn selbst wegn der hohen Signalstärke Schmerzen in den leitenden Zellen hervorrufen. Diesen Schmerz würden die dann ebenfalls weiterleiten, was zu einem sich selbst verstärkenden Echo von Schmerzsignalen führen könnte. Eine Schmerzspirale.

Deshalb müssen sich nach meiner Hypothese Nerven relativ neutral anfühlen, sie könnten sonst keine Signale über Gefühle weiterleiten. Deshalb können wir Schmerzen nur da spüren, wo die Nervenbahnen enden, an der Haut oder an den Organen.

Wie man merkt, bin ich nicht medizinisch gebildet, keine Ahnung, ob das annähernd stimmt. Aber ich hatte dann eine philosophische idee im Anschluss daran, und da bin ich ziemlich sicher, dass sie stimmt:

Wenn ich diese Schmerzbesonderheit mit der Schmerzspirale als Metapher nehme für das Verhältnis von Gefühlen und Denken, wobei die Nervenenden für die Gefühle und die Nervenbahnen für das Denken stehen, dann bedeutet das: Ohne Gefühle kann mein Denken sich nicht selbst signalisieren, was mit ihm passiert. Nicht nur sind Begriffe ohne Anschauung leer – das begriffliche Denken kann sich auch selbst nicht begreifen ohne Gefühle.

Das heißt: Denken ist ein leiblicher Vorgang, kein rein geistiger. Leiblich heißt: Ich denke immer als ganzer Mensch, als Körper-Sprache-Verstand-Beziehungs-Handlungs-Empfindungs-Gewohnheits-Gefühls-Geist-Wesen. Mentale Prozesse kann man vielleicht analytisch, zu bestimmten Zwecken, so beschreiben, als ob sie rein kognitiv wären, aber das ist eine Abstraktion, die in der Regel, und ohne ihren Reduktionismus zu reflektieren immer, zu mehr Problemen führt, als sie löst.

Als mir das einfiel, hatte ich sofort weniger Schmerzen. Jetzt fangen sie wieder ein bisschen an, ich hab zu lange gesessen und geschrieben. Bis dann.

Ein Problem der Selbst-Sorge

Im Gefolge von Foucault ist die Selbst-Sorge stärker in den Blick gerückt. Die emanzipatorische Idee dahinter ist nach meinem Verständnis, dass nur Individuen mit einem effektiven Repertoire von „Technologien des Selbst“ die Kraft haben, sozialen Herrschaftsprozessen stand zu halten und sich zu befreien. Ich sehe in der Figur der Selbst-Sorge aber ein Problem angelegt, das ich im Folgenden entfalten werde.

Von Beatrice Müller habe ich auf der AKG Tagung in Marburg gestern gelernt, dass Care (was ich hier mit Sorge übersetze) als soziale Beziehung nur gelingen kann in einer Wechselseitigkeit zwischen dem sorgenden und dem umsorgten Menschen, weil gelingende Sorge keine Subjekt (Sorgender) – Objekt (Umsorgter) – Beziehung sein kann, wie es in einem Prozess der Reparatur von einem Ding der Fall ist. Ich glaube, dass die Unmöglichkeit, die zu umsorgende Person erfolgreich zu reparieren wie ein Ding, darin begründet liegt, dass das Sorgen immer von den Bedürfnissen der zu umsorgenden Person initiiert wird. Wenn ich beispielsweise Rückenschmerzen habe, wie die ganzen letzten Wochen, dann besorge ich mir die Sorge anderer (in diesem Fall meines Arztes und meiner Physiotherapeutin) aus meinem Bedürfnis nach einem schmerzfreien Leben heraus.

Ohne diese Initiierung und deren Verstetigung im Sorgeprozess, in dem ich immer wieder Sorgehandlungen der anderen erbitte und annehme, kann ich nicht umsorgt werden. Das liegt auch daran, dass sich Bedürfnisse und Gefühle ändern, chaotisch und vielfältig sind, sich überlagern und widersprechen (um mit Beatrice Müller und Kristeva zu schreiben – „nicht strukturiert“ sind), und deshalb ständig ein neuer Anfang in der Sorge gemacht werden muss, um auf veränderte Gefühle, Empfindungen und Bedürfnisse eingehen zu können. Und dieser Anfang muss in wechselseitigen Beziehungen entstehen, da die umsorgende Person die notwendige Sensibilität für Empfindungen und Bedürfnisse anderer nur dann entwickeln kann, wenn sie eine mitmenschliche Beziehung eingeht. Denn sie kann Bedürfnisse nur dann wahrnehmen, deuten und verstehen, wenn sie die zu umsorgende Person berührt, ihre Mimik deutet, ihre Gefühle mitfühlt und dies auch in Resonanzen spürbar für die umsorgte Person macht.

Aus diesen Gründen sehe ich ein fundamentales Problem in der Figur der „Sorge um sich“: Meines Erachtens sprechen wir mit solchen Wendungen über Selbstverhältnisse, als ob sie soziale Beziehungen zwischen Menschen wären. Im Falle des Versuches, mich selbst zu umsorgen, fehlt mir aber ein anderer Mensch, dessen inkommensurable, „nicht-strukturierte“ Facettenvielfalt meiner ähnelt. Sich ähnlich fühlen heißt aber, sich geborgen zu fühlen, ohne zu verschwinden.

Ich habe im Zivildienst ein 6jähriges Mädchen umsorgt, das nicht sprechen konnte und fast blind war. Sina hat mit ihrer Stimme Beziehungen aufgebaut, zum Beispiel hat sie, wenn ich mit ihr sprach, immer so tiefe Töne gemacht, wie sie mit ihrer Stimme machen konnte. Sie hat also mimetisch nachgeahmt, wie ich ihr erschien. Dabei war ihr das Vergnügen anzumerken, das ihr das Produzieren der tiefen Töne machte, ich glaube heute, weil sie es lustig fand, mich nachzumachen und zu merken, dass es halt nicht ganz original klingt, weil sie nicht so tiefe Töne machen konnte, wie ich, aber ihre Stimme eben doch hörbar anders klang, als wie sie sonst klang, wenn sie sich nicht anstrengte, wie ich zu klingen.

Ich glaube, dass in Care-Beziehungen immer wieder, etwa in der Mimesis, die Freude an der eigenen Vielfalt und den eigenen Grenzen und deren Fruchtbarkeit für soziale Beziehungen aufscheint und dass deshalb soziale Care-Beziehungen Normalisierung und Herrschaft immer etwas unterlaufen.

„Selbst-Sorge“ jedoch kann keine mimetischen Elemente enthalten. Wer sich selbst nachzuahmen versucht, versucht seine Entfremdung zu überspielen, statt sie zu unterlaufen. Der Versuch wird in der Regel tragisch enden. Deshalb fehlt der „Selbst-Sorge“ mindestens in dieser Hinsicht der subversive, emanzipatorische Charakter, der sozialen Sorgebeziehungen oft innewohnt.

admiration

Chorus:

You’re brave and strong, you know right from wrong

you have a loving heart and you’re awfull smart

 

I like what you think in the evening, I like what you say in the morning

you shine so bright you beam out the sunshine, I hear your voice and I feel fine

 

Chorus

 

When you laugh my worries are gone, I like your wit and I like your tone

I like your wisdom, I like your style, your independence and your smile

 

Chorus

 

I like your curiosity, I like the way you stand and fight

I adore your crazyness, I love your weakness and your might

 

Chorus

 

You forgive me when I’m mean, you accept and understand,

when I’m drunk you let me in, you love me and stay my friend

 

Chorus

 

You’re an image in my mind, that’s why you’re so hard to find

noone real compares to you, you are perfect, but not true

 

Chorus:

You’re in a song, that is not wrong

it’s half the truth and your the proof

 

© lyrics and music: Arne Erdmann 2016

Double Bind

A                                   D                                E

You treat me like a jojo, first you pull and then you push

you reveal a secret, then you hide behind a bush

you got me so confused, I don’t know where I stand

I’m drifting in an ocean while I’m standing on the land

 

Chorus (2x)

double bind, double bind, It’s a crying shame

at the same time freezing ice and burning flame

 

I feel like a puppet that is hanging on your string

making funny movements that don’t lead to anything

would you be so kind and at least write me a plot

so I can act with sense, not like an uncontrolled robot

 

Chorus (2x)

double bind, double bind, It’s a crying shame

it makes freedom and enslavement seem the same

 

since I fell in love with you we’re playing tit for tat

like we did in school except our playground is not flat

it has four dimensions and the rules change all the time

I give up, surrender, I can’t make our poem rhyme

 

Chorus (2x)

double bind, double bind, It’s a crying shame

I have been a part of it before you came

 

© Arne Erdmann 2016