Yella oder die Angst vor der Freiheit

Ich habe lange über Christian Petzolds Film „Yella“ gegrübelt: Warum ist Yellas Traum vom unabhängigen Leben im Westen im Film ein Traum, aus dem sie nur aufwacht, um in den Tod gerissen zu werden? Warum schickt uns Petzold durch eine lange Binnenhandlung, die sich hinterher bloß als Traum vom neuen Leben zeigt, das neue Leben aber beginnt gar nicht erst, sondern endet mit dem Aufwachen?

Heute habe ich den Film verstanden: Yellas Traum, in dem sie von skrupellosen Männern ausgenutzt wird, ist die Verkörperung ihrer Angst vor der Freiheit: Nicht zu wissen, ob man den Leuten vertrauen kann, denen man vertrauen muss, um zu überleben, nicht zu wissen, ob man die Probleme lösen kann, die man lösen muss, nicht zu wissen, ob es richtig ist, was man tut: Das ist das Schreckliche an der Freiheit.

Petzold lässt Yella willenlos in den Tod stürzen, und er zeigt mir damit, wohin mich die Angst vor der Freiheit führt, wenn ich sie stark werden lasse: In den Untergang.

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