Ein exklusiver Club braucht eine exklusive Logik – am besten eine, die den gesunden Menschenverstand ausschließt

Philipp Gassert stellt in der SZ Studiengebühren als gerecht dar, weil sie die einkommensstarken Familien träfen, deren Kinder sehr viel häufiger studieren als Arbeiter_innenkinder.

Wenn Gassert wirklich ein sozial gerechteres Bildungssystem will, warum fordert er dann nicht eine Vermögenssteuer und einen höheren Spitzensteuersatz? Das damit eingenommene Geld kann in die notleidenden Unis und in Stipendien für Arbeiter_innenkinder gesteckt werden. Dann wird unser Hochschulwesen besser und sozial ausgewogener.

Gassert fordert stattdessen Studiengebühren. Diese machen es den einkommensschwachen Familien aber noch schwerer, ihre Kinder auf die Uni zu schicken.

Gasserts Logik lässt sich so illustrieren: 7 junge Menschen gründen einen Leseclub. Leider ist nur einer von den 7 ein Hauptschüler aus einer einkommensschwachen Familie. Zum Glück ist Herr Gassert mit seinem scharfen Verstand und seinem sozialpolitischen Überblick zugegen und weiß die Lösung: Der Club soll seinen Mitgliedsbeitrag verdoppeln. Mit dem Geld sollen bessere Bücher angeschafft werden. Der Hauptschüler war aber mit dem bisherigen Mitgliedsbeitrag schon an seinen finanziellen Grenzen. Und nun die Preisfrage: Wieviele einkommensschwache Hauptschüler sind Mitglieder des Clubs, wenn Gasserts Rat befolgt wird?

Wo hat Herr Gassert eigentlich studiert? Und wer hat ihm diese Art zu Denken beigebracht? Und wer hat den dafür bezahlt? Wahrscheinlich die Kassiererin, die Gassert als Kronzeugin für sein Studiengebührenplädoyer aufruft. Wie wäre es, wenn wir der Kassiererin die Lohnsteuer erlassen, wenn ihre Kinder aufs Gymnasium und auf die Uni gehen? Von mir aus können wir dann auch den erlassenen Lohnsteuerbetrag als Studiengebühren erheben. Allerdings nur, wenn die Studierenden selbst entscheiden können, ob diese Gebühren Ideologen wie Herrn Gassert zugute kommen oder Lehrenden, die ihren gesunden Menschenverstand noch nicht an der Kasse abgegeben haben.

 

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